Die Sieben Seen

Schon am ersten Tag konnte ich erkennen, dass dieser Trek wohl von der
Steigung her etwas anspruchsvoller war als das Pamir Gebirge, denn hier
war alles etwas komprimierter und die Berge stiegen steiler an im
Gegensatz zu der Hochebene mit den sanft ansteigenden Tälern
Ich kam dann noch an einem kleinen wunderschön am Hang gelegenen Dorf
namens Tuogli vorbei und schlug, nachdem ich wieder einmal zum Tee
eingeladen worden war, mein Zelt etwas entfernt vom Dorf auf.

Als es schon dunkel war kam dann ein Eseltreiber vorbei und meinte, dass
ich gerade in einem Bereich zelte, der Steinschlag gefährdet sei und er
zeigte mir seine Kratzer. Ich verstand seine Beweggründe, aber ich war
so erschöpft und benötigte endlich mal eine lange erholsame Nacht,
dass ich ihn irgendwann abwimmelte, hätte es doch mindestens 1 1/2
Stunden gedauert, das Zelt an einen sicheren Ort zu verlegen.
Schlafen konnte ich dann trotzdem nicht, denn bei jedem Windhauch der am
Zelt etwas rüttelte, dachte ich sofort an einen Stein, der die Zeltwand
durchschlagen und mich verkrüppeln würde.

Also brach ich am nächsten Morgen wieder früh auf und wurde von einem
Großvater mit Enkel und Esel begrüßt, der mir anbot meinen Rucksack
über den Tevasang Pass zu transportieren ohne eine Gegenleistung zu
erwarten. Ich lehnte jedoch ab, wäre es doch Betrug. Zum Trekking
gehört es nun einmal dazu seine sieben Sachen selbst zu schleppen. Sein
„Lexus“ wie er den Esel nannte, blieben also die zusätzlichen Kilos
erspart und ein anderer Esel mühte sich damit ab.

Nach einer Stunde war es dann aber auch schon geschafft und mich
erwartete ein Ausblick, der meine Kräfte wahrlich beflügelte. Hohe
schneebedeckte Gipfel in weiter Ferne und vor mir ein Abstieg in ein
weites Tal mit kleinen Nadelwäldern und großen Felsen aus Sandstein.
Der Weg war auch hervorragend und ich kam gut voran, nur einmal verlor
ich ihn aus den Augen und musste prompt über loses Geröll den Abhang
hinunterrutschen.
Den Rest des Tages folgte ich dann einem Fluss der gesäumt war von
Bäumen. Nach der Kargheit des Pamirs eine wundervolle Angelegenheit. Am
Liebsten hätte ich den Rucksack abgesetzt und den Tag lesend im
Schatten der Bäume verbracht.

Stattdessen bekam ich von netten Damen frisch zubereiten Joghurt zu
schmecken und wurde von dem Bauern Vasili extra mit dem Esel über den
Fluss gebracht, um mit ihm und seinen zwei Söhnen Tee zu trinken.
Es war gar nicht so einfach mit dem schweren Rucksack auf dem Esel das
Gleichgewicht zu halten und einmal wäre ich fast in den Fluss gefallen.
Wir unterhielten uns lange über meine geplante Route und ich lernte
einige neue Wörter Russisch. Zum Abschied gab es dann noch eine
Schüssel voll Vodka.

Routenbeschreibung

Shing bis Sarytog Tajikistan Fan Mountains
Von Shing nach Sarytog

Veröffentlicht in Dushanbe, September 2013

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